Auf einer Radreise möchte ich die Gegend kennenlernen. Dann gehört der alte Ortskern genauso zur Strecke wie der Weg am Fluss oder der Abstecher zu einem See. Eine Bundesstraße kann schneller sein. Für die Reise muss sie trotzdem nicht die bessere Wahl sein.
Ein Router kann Länge, Steigung, Oberfläche und Straßenklasse vergleichen. Ob sich ein Umweg lohnt, ist aus diesen Daten viel schwerer herauszulesen.
der-hipster.de ist eine alte Domain, die ich irgendwann gekauft und danach nie genutzt habe. Beim Arbeiten an Viberide fiel der Satz: Der Hipster fährt nur Radrouten. Der Satz blieb hängen.
Daraus wurde eine Karte mit benannten und ausgeschilderten Radrouten. Der Planer berücksichtigt diese Wege, statt immer nur die kürzeste Verbindung zu suchen.
Bei Blogbox war die Arbeit ähnlich verteilt. Die Software sortierte die Artikel. Wir entschieden, welche Quellen überhaupt in die App kamen. Bei den Radrouten interessiert mich wieder dieselbe Frage: Was kann der Rechner erledigen, und was sollten Menschen vorher ausgewählt haben?
Was eine gute Route ausmacht
Kommunen, Tourismusverbände oder Radsportvereine haben viele ausgeschilderte Radrouten vor Ort geplant. Sie kennen die ruhige Nebenstraße, den guten Übergang und den Platz, an dem sich eine Pause lohnt. Dieses Wissen steckt im Verlauf der Route.
Wenn ich schon mehrere Tage unterwegs bin, möchte ich nicht kurz vor einem schönen Ort daran vorbeigeschickt werden.
Eine ausgeschilderte Route ist deshalb nicht automatisch gut. Wege ändern sich, Daten veralten und nicht jede touristische Schleife passt zu jeder Fahrt. Für den Router ist ihr Verlauf trotzdem ein nützlicher Hinweis.
Was der Router daraus macht
Auf der-hipster.de setzt man Start und Ziel und wählt den Radtyp. Der Router prüft drei Varianten. Im Profil für Tourenräder gibt er offiziellen Radrouten mehr Gewicht. Rennrad und Mountainbike setzen andere Schwerpunkte.
Nach der Berechnung zeigt die Seite Distanz, Fahrzeit, Höhenmeter und Höhenprofil. Sie gleicht den Track mit dem Radroutennetz ab und nennt den Anteil auf offiziellen Radrouten sowie die befahrenen Routen in ihrer Reihenfolge. Der Track lässt sich als GPX laden oder über eine URL teilen.
Der Router muss einer ausgeschilderten Linie nicht überall folgen. Er kann dort abweichen, wo es für die gewählte Fahrt sinnvoll ist.
Die fertige Strecke kommt damit nicht allein aus dem Rechner. Sie folgt, wo es passt, Wegen, die jemand vor Ort ausgesucht hat.
Für längere Reisen
Mit dem Planer lassen sich auch Langstreckenrouten für mehrtägige Radreisen planen. Wer vom Bodensee an die Nordsee fahren möchte, findet dafür kaum einen einzelnen Radweg. Der Router muss mehrere Fernradwege verbinden und die Lücken dazwischen schließen.
Auf so einer Strecke machen ein paar Kilometer mehr oft wenig aus. Viele ausgeschilderte Routen wurden so gelegt, dass unterwegs mehr zu sehen ist.
Auf langen Touren finde ich es außerdem entspannend, einer ausgeschilderten Route zu folgen. Wenn die Beschilderung gut ist, kann ich den Blick öfter von der Karte nehmen. Ganz darauf verlassen kann man sich nicht. Schilder fehlen oder sind schlecht zu sehen.
Die Website braucht dafür keine Live-Navigation. Der fertige Track lässt sich als GPX auf ein Garmin, Wahoo oder Handy laden. Mit Viberide kann ich solche Routen unterwegs offline auf iPhone und Apple Watch fahren.
Ein Archiv für Radrouten
Neben dem Planer ist die Website ein Archiv. Dort liegen mehr als 15.000 benannte oder nummerierte Radrouten aus vielen Ländern. Kleine Relationen unter fünf Kilometern habe ich bewusst herausgefiltert.
Ein Klick auf eine Linie führt zu einer eigenen Routenseite. Dort stehen die Dinge, die ich vor einer Tour wissen will:
- der vollständige GPX-Track,
- Distanz, Höhenmeter und Höhenprofil,
- Verlauf, Orte und Anschlüsse,
- Belag, Verkehr und Beschilderung, soweit diese Daten vorhanden sind.
Die Grundlage ist OpenStreetMap. Radrouten stehen dort als Relationen: Gruppen von Wegen mit Name, Nummer, Netzwerk und manchmal weiteren Angaben. Lange Radwege sind oft in mehrere Teilrelationen zerlegt. Namen unterscheiden sich leicht, Höhen fehlen und Angaben zum Belag sind nicht überall vollständig.
Der Bodensee–Königssee-Radweg besteht in den Daten zum Beispiel aus mehreren Abschnitten. Ein Skript fasst sie zu einer Route zusammen, berechnet den Track und ergänzt ein Höhenprofil aus Geländedaten. Wikipedia, Wikidata und offizielle Routenseiten helfen bei Verlauf, Etappen und Hintergrund. Jede Seite nennt ihre Quellen.
Der größte Teil davon entsteht automatisch. Anders ließe sich ein Archiv mit so vielen Routen kaum bauen. Wo Daten fehlen, sagt die Website das.
Planung statt Navigation
Viberide ist eine App für unterwegs. der-hipster.de ist für die Planung vor der Tour gedacht. Dort kann man eine Route finden und ihre Daten prüfen, ohne Account und ohne Installation.
Die Karte läuft mit MapLibre. Die Routenlinien kommen aus eigenen OpenStreetMap-Vektorkacheln. Für die Berechnung arbeitet ein eigener BRouter-Server mit drei angepassten Fahrradprofilen.
Was noch fehlt
Der Planer und das Archiv funktionieren weltweit. Die Datentiefe ist von Route zu Route verschieden. Manche haben eine klare Nummer, gute Wegedaten und ausführliche Quellen. Andere bestehen vorerst nur aus Name und Linie.
Der Generator kann Tracks, Höhenprofile und Metadaten erzeugen. Er weiß aber nicht, ob ein Weg gerade schön zu fahren ist, die Beschilderung noch stimmt oder sich ein Abstecher wirklich lohnt. Die Routenseiten dürfen nicht so tun, als hätte jemand jeden Kilometer geprüft.
Am Ende möchte ich eine Strecke bekommen, die sich gut fahren lässt und auf der ich unterwegs etwas sehe.