Auf Google Maps hieß der Miesbach Talerbach. Das hatte mich schon länger gewundert. Als ich 2007 zum Studium wegzog, kannte ich ihn noch als Miesbach. Als ich 2017 zurückkam, war er auf digitalen Karten als Talerbach beschriftet. Der Bach selbst war natürlich noch da. Nur sein Name war im Internet verrutscht.

Ich wollte zuerst nur verstehen, woher der falsche Eintrag kam. Je länger ich suchte, desto kurioser wurde es. Auch andere digitale Karten und Nachschlagewerke führten widersprüchliche Namen. Wenn derselbe Name an mehreren Stellen steht, wirkt er schnell glaubwürdig – auch wenn die Einträge womöglich auf denselben älteren Fehler zurückgehen.

Vor Ort ist der Verlauf leichter zu verstehen. Vom Stadlberg kommt der Miesbach. In Großthal kommt der Thalerbach hinzu, in Kleinthal der Floigerbach und beim Harztal der Erlbach. Danach fließt der Miesbach weiter durch die Stadt und schließlich in die Schlierach.

Stilisierte Karte mit dem Miesbach als Hauptlauf und Thalerbach, Floigerbach und Erlbach als Zuflüssen
Der Miesbach mit seinen Zuflüssen.

Allein hätte ich die Geschichte nicht zusammenbekommen. Markus Baumgartner hatte schon seit Jahren beobachtet, dass der Name in den Karten fehlte. Alexander Langheiter hatte 2024 und 2025 bereits versucht, den Eintrag auf dem amtlichen Weg korrigieren zu lassen. Horst Garstka kannte sich mit OpenStreetMap aus. Ich schaute mir die digitale Kartenhistorie an und kümmerte mich um die Einträge bei OpenStreetMap, Wikipedia und Google Maps.

Im Juli gingen wir den Bachlauf gemeinsam ab. Beim Hof Korbmacher erzählte Heini Brandmeier, was in seiner Familie überliefert ist: Der dort vorbeifließende Hauptlauf wurde immer Miesbach genannt. Der Thalerbach ist der von Osten kommende Zufluss in Großthal. So ließ sich auch der Erlbach aus dem Harztal wieder richtig einordnen.

Mittlerweile sind Miesbach und Thalerbach bei OpenStreetMap, Wikipedia und Google Maps wieder den richtigen Bachläufen zugeordnet. Das Bayerische Landesamt für Umwelt bestätigte außerdem, dass der gesamte Hauptlauf Miesbach heißt. Es war also keine Umbenennung. Der alte Name musste nur wieder an die richtige Stelle zurück.

Am Ende brauchte es dafür alte Unterlagen, die Geschichte der digitalen Karteneinträge und Menschen, die den Bach vor Ort kennen. Der Miesbach war die ganze Zeit derselbe. Nur die Daten waren durcheinandergeraten.

Danke an alle Beteiligten. Es hat Spaß gemacht, das gemeinsam mit euch herauszufinden und wieder richtigzustellen.

Der Miesbacher Merkur hat die ganze Geschichte aufgeschrieben: Wie der Miesbach aus dem Internet verschwand – und wieder zurückkam.

Nachtrag vom 25. August 2026: Inzwischen hat auch der Bayerische Rundfunk die Geschichte aufgegriffen – als Radiobeitrag bei Mittags in Oberbayern und bei BR24: Wie Miesbach fast seinen Miesbach verloren hätte.