Eine App von 2009

App Store Connect führt die Version 0.1 seit dem 8. Oktober 2009. Die vier Original-Screenshots sind 320 × 480 Pixel groß. Sie stammen noch aus der Zeit des 3,5-Zoll-iPhones.

Ich war damals kein routinierter Spieleentwickler. Fast alles daran war für mich neu und schwierig.

Die Spielidee ist älter als das iPhone. Ein Wagen fährt auf kariertem Papier. Man lenkt nicht direkt nach links oder rechts. Stattdessen verändert jeder Zug die Beschleunigung. Geschwindigkeit und Richtung werden in den nächsten Zug übernommen.

Die Regel passte auf ein Blatt Papier. Ihre Umsetzung passte damals nicht in meinen Kopf.

Die vier originalen App-Store-Screenshots von StepRace 0.1 auf dem iPhone
Die unveränderten App-Store-Screenshots der Version 0.1. 2026 direkt aus App Store Connect geladen.

OpenGL für ein Rasterspiel

Auf dem Bildschirm wurde die einfache Regel schnell kompliziert. Spielkoordinaten mussten in Bildschirmpunkte übersetzt werden. Die Strecke musste verschoben, skaliert und gezeichnet werden. Der nächste Zug brauchte eine Vorschau.

Ich löste das mit OpenGL und Vektortransformationen. Für mich fühlte sich das damals sehr weit weg von der eigentlichen Spielidee an. Ich wollte ein kleines taktisches Rennen bauen und arbeitete plötzlich an einer Grafik-Engine.

Es funktionierte. Die App kam in den Store. Elegant war der Weg nicht.

Als Apple 2010 beim iPhone 4 das Retina-Display einführte, verdoppelte sich die Auflösung in beide Richtungen. Ein Punkt entsprach nun einem Raster aus 2 × 2 Pixeln. Nach meiner Erinnerung war das der Moment, an dem StepRace nicht mehr richtig lief. Meine OpenGL-Zeichenlogik und ihre handgerechneten Koordinaten kamen mit der neuen Skalierung nicht zurecht. Ich hatte damals keine Zeit, die App zu reparieren, und nahm sie deshalb Ende 2010 wieder aus dem Store. Den alten Quellcode habe ich nicht mehr; die genaue Fehlerursache kann ich deshalb heute nicht sauber rekonstruieren.

Die alten Bilder als Ausgangspunkt

Danach war StepRace einige Jahre lang nicht verfügbar. Übrig blieben die Spielidee und vier App-Store-Bilder.

Für den Neuaufbau gab ich meinem Coding-Agenten diese Bilder und erklärte die Regel. Die neue App sollte nicht wie 2009 aussehen. Sie sollte sich aber noch wie StepRace anfühlen.

Aus neun nummerierten Feldern wurde eine kompakte Steuerung. Die grüne Rasterstrecke wurde zu dunklem Asphalt mit klaren Linien. Dazu kamen Zugvorschau, Kamera, zwölf Strecken, Bestenlisten und Rennen mit Freunden.

Fünf neue App-Store-Screenshots von StepRace mit Rennen, Zugvorschau, Streckenauswahl, Online-Rennen und Regeln
Die neuen Screenshots. Die alte Regel ist geblieben, die Oberfläche nicht.

Vier Bilder sind noch keine Spezifikation

Das klingt schnell nach: Screenshots hinein, fertige App heraus. So war es nicht.

Ein Screenshot zeigt keine Spielregeln. Er sagt nicht, wann eine Runde zählt, was nach dem Verlassen der Strecke passiert oder wie ein Online-Rennen synchron bleibt. Diese Fragen mussten wir beim Bauen beantworten.

Der Agent baute die Oberfläche, die Spiellogik, die Kollisionsprüfung und automatische Tests. Die Tests suchen Wege über alle Strecken und spielen sie noch einmal mit den echten Regeln ab.

Meine Arbeit verschob sich dadurch. 2009 schrieb ich jede Transformation selbst. Beim Neuaufbau musste ich genauer beschreiben, prüfen und entscheiden. Das ist weniger Tipparbeit. Denken muss man trotzdem.

Vom Programmierer zum Produktentwickler

Dabei veränderte sich auch meine Rolle. Früher war ich vor allem Programmierer. Ich zerlegte eine Idee in einzelne technische Probleme und baute jeden Teil selbst. Heute arbeite ich eher als Produktentwickler.

Das erinnert mich an meine Arbeit als Komponist. Ich muss nicht jedes Instrument selbst spielen. Ich entscheide über Form, Tempo, Übergänge und darüber, was weg kann. Beim Bauen mit einem Coding-Agenten ist es ähnlich. Ich gebe Richtung und Regeln vor, prüfe das Ergebnis und lasse Teile neu bauen, bis sie zusammenpassen.

Programmieren ist damit nicht verschwunden. Ich muss den Code verstehen, Fehler erkennen und technische Grenzen einschätzen. Aber ich schreibe nicht mehr jede Note selbst.

Der Agent kann Varianten schnell umsetzen. Welche davon in die App gehört, ist eine Produktentscheidung.

Ich verbringe mehr Zeit mit den Fragen, die das Spiel ausmachen: Ist ein Zug verständlich? Ist die Strecke fair? Erkennt man sofort, warum man abgeflogen ist?

Die Idee bleibt

Die Idee für StepRace kam nicht vom Agenten. Sie ist von 2009. Damals habe ich mich an ihrer Umsetzung ziemlich abgearbeitet. Jetzt kann ich sie noch einmal ernst nehmen.

Auf den alten Bildern sehe ich deshalb keine peinliche erste App. Ich sehe, wie viel Arbeit damals in vier kleine Screenshots passte. Rund 1.000 Mal wurde StepRace geladen. Ob die Menschen nur kurz hineingesehen oder wirklich ein paar Rennen gefahren haben, weiß ich nicht.

Die neue Version ist seit dem 20. Juli 2026 im App Store erhältlich. Mal sehen, wie viele sie diesmal spielen werden.