Uphills ist mein erstes eigenes Soloalbum. Das klingt größer, als es sich beim Entstehen angefühlt hat. Es war nicht der eine große Plan. Eher ein Haufen kleiner Momente, die irgendwann zusammengepasst haben.
Ich habe lange Musik gemacht. In Bands, mit Gitarren, mit Ideen, die manchmal zu Songs wurden und manchmal einfach liegen geblieben sind. Was mir oft schwerfiel: ein Stück von Anfang bis Ende als fertige Form zu denken. Intro, Strophe, Refrain, Bridge. Diese Architektur kann schön sein, aber sie war für mich oft zu groß, bevor überhaupt etwas angefangen hatte.
Loops haben das verändert.
Der Moment darf bleiben
Ein Loop ist erst einmal klein. Ein paar Töne. Eine Bewegung. Etwas, das wiederkommt. Genau das hat mir geholfen. Ich musste nicht sofort wissen, wohin ein Stück geht. Ich konnte einen Moment nehmen und ihn lange genug anschauen, bis er eine eigene Richtung bekommen hat.
Mit der Gitarre, Filtern, Delays, Reverbs und kleinen elektronischen Effekten wurde daraus eine Arbeitsweise. Ich spiele etwas, höre, wie es sich wiederholt, drehe an einem Filter, nehme etwas weg, lasse etwas kippen. Oft entsteht der interessanteste Teil nicht durch eine neue Melodie, sondern dadurch, dass sich derselbe Klang anders verhält.
Das hat für meine Kreativität viel geöffnet. Die Begrenzung war nicht eng. Sie war hilfreich. Ein Loop sagt: Bleib kurz hier. Hör nochmal hin. Verändere nicht alles auf einmal.
Die Beine drehen Kreise, bis aus Bewegung Loops werden.
Radfahren als Form
Beim Radfahren passiert etwas Ähnliches. Besonders bergauf. Man tritt nicht einmal stark rein und ist oben. Man wiederholt dieselbe Bewegung. Runde um Runde. Kurbelumdrehung um Kurbelumdrehung. Irgendwann verschiebt sich das Gefühl für Zeit.
Ein Anstieg ist nicht nur Strecke. Er ist Rhythmus. Man findet einen Gang, eine Atmung, eine Geschwindigkeit, die gerade noch geht. Es gibt Momente, in denen alles zäh ist. Und dann wieder diese kleinen Stellen, an denen man merkt: Es läuft.
Genau dieses Gefühl hat zu den Stücken gepasst. Nicht als Soundtrack zum Sport. Eher als musikalische Form. Wiederholung, kleine Veränderungen, langsames Weiterkommen.
Die Linien
Das Artwork kommt aus GPX-Tracks realer Anstiege. Rosskopf, Coll de Rates, Stadlberg, Gindelalm, Rotwand und Kesselberg. Auf dem Cover sind sie nicht als Karten gedacht. Man soll damit nicht navigieren.
Mich interessieren diese Linien, weil sie wie eine Notation aussehen. Jede Kurve ist eine Entscheidung der Landschaft. Jede Serpentine ist eine kleine Schleife. Wenn man lange genug hinschaut, sind die Spuren fast musikalisch.
Die Zeichnungen stammen aus den GPX-Tracks der Anstiege; sie sind weniger Karte als Rhythmus.
Warum es ein Album wurde
Irgendwann lagen genug Stücke da, die aus derselben Welt kamen. Gitarrenloops. Kleine elektronische Skizzen. Wiederholung. Anstiege. Linien. Dieses Gefühl, langsam in etwas hineinzufinden.
Ich glaube, ich habe mit Uphills endlich ein Thema gefunden, das mich lange genug beschäftigt hat, bis daraus ein Album werden konnte. Nicht als Konzept, das ich vorher ausformuliert habe. Mehr als etwas, das schon da war: im Radfahren, im Studio, in den Notizen, in den Abenden mit Gitarre und Effekten.
Die Stücke sind kurz. Sie müssen nicht alles erklären. Sie bleiben nah an den Ideen, aus denen sie entstanden sind. Das mag ich daran.
Was bleibt
Für mich ist Uphills auch ein kleines Dokument darüber, wie ich gerade Musik machen kann. Nicht perfekt planen. Nicht zu früh bewerten. Einen Loop finden, ihn anfassen, mit Effekten darauf reagieren und schauen, ob daraus ein Raum entsteht, in dem ich gern bleibe.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum der Titel gerade so gut passt. Vieles fühlt sich nach bergauf an. Aber bergauf heißt nicht automatisch schwer. Manchmal heißt es auch: Es gibt eine Richtung.